
Zuletzt aktualisiert: April 2026
Eine Gaskolik trifft oft ohne Vorwarnung: Das Pferd wälzt sich, schaut auf den Bauch, schlägt nach den Flanken. Als Besitzer fragt man sich sofort: Ist das ernst? Reicht ein Spaziergang oder muss der Tierarzt her? Dieser Artikel zeigt, wie eine Gaskolik entsteht, woran Sie sie erkennen, wie Sie richtig reagieren — und wann Hausmittel nicht mehr ausreichen.

Futter sofort entziehen. Pferd ruhig halten und kurz führen (10 bis 15 Minuten im Schritt). Puls, Atmung und Darmgeräusche prüfen. Beobachten: Bessert sich die Lage innerhalb von 30 bis 60 Minuten? Wenn nicht — oder wenn der Puls über 60 Schläge/min liegt, keine Darmgeräusche hörbar sind oder das Pferd sich heftig schlägt und keine Ruhe findet — sofort den Tierarzt anrufen.
Was ist eine Gaskolik — und wie unterscheidet sie sich von anderen Kolikarten?
Gaskolik (Meteorismus) ist eine Ansammlung von Gasen im Magen-Darm-Trakt des Pferdes, die zu Dehnungsschmerzen, Unruhe und Lahmheit führt. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „meteorismos“ ab — wörtlich: das Aufblähen.
Der Verdauungstrakt des Pferdes ist für kontinuierliches Grasen ausgelegt: kleine Mengen, über den ganzen Tag verteilt, mit hohem Rohfaseranteil. Wenn stattdessen große Mengen vergärbarer Kohlenhydrate auf einmal in den Dickdarm gelangen — durch frisches Gras, Klee, Obst oder abrupte Futterwechsel — beginnen Darmbakterien, diese intensiv zu fermentieren. Das dabei entstehende Gas (CO₂, Methan, Wasserstoff) sammelt sich im Blinddarm (Caecum) oder Grimmdarm und kann nicht schnell genug abgebaut werden. Der Druck steigt, die Darmwand dehnt sich — und das Pferd schmerzt.
Man unterscheidet zwei Formen der Gaskolik:
Primärer Meteorismus entsteht durch direkte Fermentation vergärbarer Futtermittel im Dickdarm — etwa durch frisches Gras mit hohem Fruktangehalt, Klee, frisches Obst oder Brot. Der Darm selbst ist gesund, aber überfordert.
Sekundärer Meteorismus ist eine Gasstauung als Folge einer anderen Darmerkrankung — etwa einer Darmverlegung, Verstopfung oder Verlagerung, die den normalen Gastransport blockiert. Hier ist die Gaskolik ein Symptom einer ernsteren Grunderkrankung, die tierärztlich abgeklärt werden muss.
Gillen & Archer (2023, PMID: 37268523) beschreiben in ihrer Übersichtsarbeit zur Kolik-Epidemiologie: „Colic is not a simple disease but a syndrome of abdominal pain that encompasses multiple different disease processes.“ Das bedeutet: Nicht jede Kolik ist gleich — und die Gaskolik muss von ernsteren Formen abgegrenzt werden.
Wie unterscheidet sich die Gaskolik von anderen Kolikarten in der Übersicht:
| Kolikart | Ursache | Typische Zeichen | Prognose |
|---|---|---|---|
| Gaskolik (Meteorismus) | Gasansammlung durch Fermentation | Aufgeblähter Bauch, Unruhe, intermittierende Schmerzen | Sehr gut — meist konservativ behandelbar |
| Spastische Kolik | Krampfartige Darmkontraktionen | Starke, kollikartige Schmerzen, Schlagen, Wälzen | Gut — oft medikamentös |
| Obstipationskolik | Verdichteter Darminhalt, Verstopfung | Kein oder wenig Kot, stumpfe anhaltende Schmerzen | Gut bis mäßig — abhängig von Lokalisation |
| Sandkolik | Sand-/Schmutzansammlung im Dickdarm | Chronisch wiederkehrend, Durchfall möglich | Mäßig — kann chronisch werden |
| Verlagerung / Darmverschluss | Mechanische Blockade, Drehung oder Einklemmung | Starke, nicht nachlassende Schmerzen, Schockzeichen | Ernst — oft chirurgisch |
Lesen Sie dazu auch unseren Überblicksartikel Kolik beim Pferd — Ursachen, Symptome und Behandlung.
Woran erkennen Sie eine Gaskolik beim Pferd?
Die Symptome einer Gaskolik können von leichter Unruhe bis zu starken Schmerzen reichen. Entscheidend ist: Je früher Sie eingreifen, desto besser. Die folgenden Anzeichen sind typisch — und nach Dringlichkeit sortiert:
| Symptom | Beschreibung | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| Schauen auf den Bauch | Pferd dreht den Kopf wiederholt zur Flanke | Früh — beobachten |
| Unruhe, Scharren | Nervöses Hin- und Herlaufen, Scharren mit dem Vorderbein | Früh — Futter entziehen |
| Wälzen oder häufiges Hinlegen | Pferd legt sich hin, wälzt sich, steht auf, wiederholt | Mittel — Tierarzt informieren |
| Schlagen gegen den Bauch | Pferd schlägt mit Hinterbein in Richtung der Flanke | Mittel bis ernst |
| Aufgeblähter, harter Bauch | Flanken sichtbar gespannt, Bauchraum trommelartig aufgetrieben | Ernst — Tierarzt sofort |
| Kein oder wenig Kotabsatz | Normaler Kot fehlt oder Kot ist weich und übelriechend | Mittel — beobachten |
| Schwitzen ohne Bewegung | Schmerzbedingtes Schwitzen, besonders hinter den Schultern | Ernst — Tierarzt sofort |
PAT-Werte messen: Bei jedem Kolikverdacht sofort Puls, Atmung und Temperatur messen. Die Normwerte für ein gesundes erwachsenes Pferd:
| Parameter | Normalwert | Alarmsignal |
|---|---|---|
| Puls | 28–40 Schläge/min | Über 60/min → sofort Tierarzt |
| Atemfrequenz | 8–16 Atemzüge/min | Über 30/min oder flach → Tierarzt |
| Temperatur | 37,5–38,2 °C | Über 39 °C → Tierarzt |
| Darmgeräusche | Beidseitig regelmäßige Gluckergeräusche | Keine Darmgeräusche → sofort Tierarzt |
Darmgeräusche selbst abhören: Mit einem einfachen Stethoskop — oder auch nur mit dem Ohr direkt an der Flanke — können Sie die Darmgeräusche beidseitig abhören (je 30 Sekunden). Normale Glucker- und Rauschgeräusche sind ein gutes Zeichen. Übermäßig lautes Rumoren und Gluckern kann auf aktive Gasbildung hinweisen. Stille beidseitig ist ein Alarmsignal — kein Gas wird mehr bewegt.
Was löst eine Gaskolik aus? Die häufigsten Auslöser
Die Gaskolik hat fast immer einen konkreten Auslöser, der sich rückblickend identifizieren lässt. Das macht sie auch zur Kolikform, die am besten vorgebeugt werden kann.
Frisches Gras und Klee im Frühling
Das klassische Szenario: Erster Weideauftrieb im Frühjahr nach dem Winter. Junges Gras enthält hohe Mengen an Fruktanen — langkettigen Kohlenhydraten, die der Pferdedarm nicht vollständig enzymatisch aufschließen kann. Sie gelangen unverdaut in den Dickdarm und werden dort von Bakterien intensiv fermentiert. Das Ergebnis: große Gasmengen, Druckaufbau und Schmerzen.
Besonders gefährlich: Gras nach Frostnächten. Kälte lässt Pflanzen vermehrt Fruktane einlagern — der Gehalt kann sich nach einem Frost binnen weniger Stunden deutlich erhöhen. Dasselbe gilt für Klee: Rot- und Weißklee sind besonders fermentationsfreudig.
Abrupter Futterwechsel
Curtis et al. (2019, PMID: 31295284) werteten in einer systematischen Übersichtsarbeit 58 Studien aus und identifizierten 22 Risikofaktorkategorien für equine Kolik. Das Ergebnis: Futterwechsel ist der am stärksten evidenzbelegte vermeidbare Management-Risikofaktor. Sowohl der Wechsel der Heusorte, die Einführung neuer Kraftfuttermittel als auch eine plötzliche Erhöhung der Futtermenge erhöhen das Kolikrisiko signifikant. Die Darmflora braucht mindestens 7 bis 14 Tage, um sich an eine neue Futtergrundlage anzupassen. Wer das ignoriert, riskiert eine Verschiebung der Mikrobiom-Balance — und damit Fermentationsstörungen.
Große Einzelmahlzeiten statt kontinuierlicher Fütterung
Blikslager (2019, PMID: 31084747) erläutert aus chirurgischer Perspektive: „Meal feeding creates large changes in water movement in the colon and alters the microbiome.“ Mahlzeitenfütterung verursacht starke Schwankungen im Wasserhaushalt des Dickdarms und verändert die Zusammensetzung der Darmflora. Das begünstigt Fermentationsstörungen und Kolik. Das Pferd ist von Natur aus ein Dauergraser — sein Verdauungssystem ist auf kleine, kontinuierliche Mengen ausgelegt, nicht auf zwei große Mahlzeiten pro Tag.
Wetterumschwung und plötzliche Kälte
In der pferdemedizinischen Praxis ist der Zusammenhang zwischen Wetterumschwüngen und gehäuften Kolikmeldungen gut bekannt. Diskutiert werden Veränderungen des Luftdrucks, die die Darmmotilität beeinflussen, sowie Stressreaktionen auf abrupte Temperaturstürze. Praktisch lässt sich beobachten: An Tagen mit abruptem Wetterumschwung — besonders wenn die Temperatur schnell fällt oder starker Wind einsetzt — steigen Kolikmeldungen in Ställen häufig an. An solchen Tagen lohnt es sich, das Pferd besonders aufmerksam zu beobachten.
Zu wenig Wasser
Dehydration ist einer der unterschätztesten Kolik-Auslöser. Ein 500-kg-Pferd benötigt täglich 25 bis 50 Liter Wasser — mehr im Sommer und nach körperlicher Arbeit. Trinkt das Pferd zu wenig, trocknet der Darminhalt ein, die Peristaltik verlangsamt sich und Gase können nicht mehr normal weitertransportiert werden.
Fikri et al. (2024, PMID: 38911082) identifizierten in einer Studie zu Arbeitspferden begrenzte Wasserverfügbarkeit als signifikanten Risikofaktor für Kolik. Das gilt nicht nur in heißen Ländern — auch im deutschen Winter, wenn Tränken einfrieren oder Pferde aus Gewohnheit zu wenig trinken, steigt das Kolikrisiko merklich.
Bewegungsmangel und Boxenhaltung
Yngvesson et al. (2019, PMID: 30813613) verglichen Kolikinzidenz bei Pferden in Einzel-/Anbindehaltung mit Pferden in Gruppenhaltung: 2,38% Kolikinzidenz bei Einzel-/Anbindehaltung gegenüber nur 0,38% bei Gruppenhaltung — ein sechsfach erhöhtes Risiko. Der Mechanismus ist bekannt: Bewegung stimuliert die Peristaltik und fördert den normalen Gastransport durch den Darm. Pferde, die stundenlang in der Box stehen, haben eine verlangsamte Darmmotilität — Gas kann sich leichter stauen.
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Was tun bei einer Gaskolik? Das Notfallprotokoll
Wenn Sie eine Gaskolik vermuten, sind diese fünf Schritte die richtige Reaktion — in dieser Reihenfolge.
Schritt 1: Futter sofort entziehen
Heu, Kraftfutter, Gras — alles weg. Kein weiteres Futter nachgeben, bis der Zustand des Pferdes stabil und klar ist. Frisches Gras und vergärbares Futter würden die laufende Fermentation im Darm weiter anheizen. Wasser darf und soll das Pferd weiterhin trinken.
Schritt 2: PAT-Werte messen und notieren
Messen Sie sofort Puls, Atemfrequenz und Temperatur — und notieren Sie alles mit Uhrzeit. Das gibt Ihnen eine Ausgangsbasis, um den Verlauf zu verfolgen und dem Tierarzt wertvolle Informationen, falls er gerufen wird. Hören Sie auch die Darmgeräusche ab: beidseitig an der Flanke, jeweils 30 Sekunden. Rege Glucker deuten auf aktive Gasbildung. Stille ist ein Alarmsignal.
Schritt 3: Pferd ruhig führen
Kurze Spaziergänge im Schritt — 10 bis 15 Minuten — können die Peristaltik anregen und beim Abtransport des gestauten Gases helfen. Das Pferd sollte sich dabei beruhigen, nicht erschöpfen. Wälzen in Maßen ist für das Pferd ein natürlicher Versuch, Schmerzen zu lindern — erst wenn es sich unkontrolliert und heftig gegen harte Gegenstände wirft oder keine Pausen einlegt, besteht erhöhte Verletzungsgefahr. In diesem Fall sofort Tierarzt rufen.
Schritt 4: 30 bis 60 Minuten beobachten
Bei einer unkomplizierten Gaskolik bessert sich der Zustand meist innerhalb dieser Zeitspanne. Positive Zeichen: Das Pferd wird ruhiger, setzt Kot ab, die Darmgeräusche normalisieren sich, der Puls bleibt unter 50/min. Notieren Sie alle Veränderungen mit Uhrzeit — für den Tierarzt und für Ihre eigene Dokumentation.
Schritt 5: Tierarzt rufen — bei diesen Zeichen sofort
Rufen Sie den Tierarzt unverzüglich, wenn eines der folgenden Zeichen auftritt:
- Puls über 60 Schläge/min
- Keine Darmgeräusche beidseitig
- Kein Kotabsatz seit mehreren Stunden
- Starkes, unkontrollierbares Wälzen ohne Pausen
- Sichtbar aufgetriebener, harter Bauch
- Schmerzen nach 30 bis 60 Minuten nicht rückläufig
- Pferd schlägt sich heftig gegen den Bauch
- Zittern, Schockzeichen, blasse oder bläuliche Schleimhäute

Hausmittel vs. Tierarzt — was hilft und was schadet?
Bei leichter Gaskolik ohne Alarmsignale ist abwartendes Handeln mit einfachen Maßnahmen oft ausreichend. Wichtig ist dabei die klare Grenzziehung: Was können Sie selbst tun — und was überschreitet die Grenze zur tierärztlichen Behandlung?
Was bei leichter Gaskolik sinnvoll sein kann
Sanftes Führen im Schritt: Die am besten belegte nicht-medikamentöse Maßnahme. Bewegung stimuliert die Peristaltik und unterstützt den natürlichen Gastransport. Ruhige Spaziergänge von 10 bis 20 Minuten, ohne Stress und Hetze.
Fenchel- oder Kümmeltee: In der Pferdeheilkunde traditionell bei leichten Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Fenchel und Kümmel wirken mild krampflösend und können die Gasbildung etwas reduzieren. Sie ersetzen keine medikamentöse Behandlung, sind aber als begleitende Maßnahme bei leichten Fällen vertretbar.
Wasser anbieten: Immer. Auch wenn das Pferd schmerzt — Wasser sollte frei zugänglich bleiben. Ausreichende Hydrierung unterstützt die Darmtätigkeit und den natürlichen Gastransport.
Was nicht hilft — und was aktiv schadet
- Schmerzmittel aus dem Hausschrank ohne tierärztliche Verschreibung — erhöhen das Magenulkusrisiko und maskieren Symptome
- Alkohol (Schnaps, Whisky) — veraltetes Hausmittel ohne jeglichen Wirksamkeitsbeleg
- Bauchmassage von außen — kann bei unerkannten Verlagerungen gefährlich sein
- Abführmittel ohne Tierarzt — können eine bestehende Verlagerung verschlimmern
- Abwarten trotz klarer Verschlechterung — jede Stunde zählt bei echten Notfällen
Wann reicht Beobachten — wann nicht?
Vertretbar: Puls unter 50/min, Darmgeräusche vorhanden, Pferd beruhigt sich zwischendurch, setzt Kot ab, Lage verbessert sich innerhalb von 60 Minuten.
In allen anderen Fällen: Tierarzt rufen. Pollard et al. (2020, PMID: 31751854) zeigten in einer Kohortenstudie: Kolik war für 21,3% aller Euthanasie-Fälle bei Pferden verantwortlich, mit einem Hazard Ratio von 26,4 gegenüber gesunden Tieren. Das bedeutet nicht, dass jede Gaskolik tödlich endet — aber es zeigt, dass Kolik grundsätzlich ernst genommen werden muss.
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Wie behandelt der Tierarzt eine Gaskolik?
Wenn der Tierarzt eintrifft, führt er zunächst eine gründliche klinische Untersuchung durch: Rektalpalpation, Abhorchen der Darmgeräusche, Messung der PAT-Werte, bei Bedarf eine transrektale Ultraschalluntersuchung — um die Art der Kolik zu bestimmen und eine mechanische Verlagerung auszuschließen.
Bei bestätigter Gaskolik stehen folgende Maßnahmen zur Verfügung:
Spasmolytika und Schmerzlinderung
Buscopan (Butylscopolamin) ist das Mittel der Wahl bei Gaskoliken und spastischen Koliken: Es entspannt die Darmmuskulatur, senkt den Tonus und erleichtert den Gastransport. NSAIDs reduzieren Schmerzen und die begleitende Entzündungsreaktion. Die genaue Auswahl und Dosierung legt ausschließlich Ihr Tierarzt fest.
Nasenschlundsonde
Wenn eine Magenüberladung mit Gas vorliegt oder das Pferd nicht spontan entgast, kann der Tierarzt eine Nasenschlundsonde legen und überschüssiges Gas sowie Magenflüssigkeit ableiten. Dieser Eingriff darf ausschließlich vom Tierarzt durchgeführt werden — eine falsch gelegte Sonde kann lebensbedrohliche Komplikationen verursachen.
Trokarisierung des Caecums
In seltenen, schweren Fällen — wenn das Caecum extrem mit Gas gefüllt ist und der Druck gefährlich wird — kann eine Trokarisierung (direkte Punktion durch die Bauchdecke) nötig werden, um das Gas abzulassen. Dieser Eingriff ist selten, aber in extremen Situationen lebensrettend.
Prognose: Gaskolik hat die beste Ausgangslage
Die Gaskolik hat unter allen Kolikformen die beste Prognose. Die meisten Fälle sprechen schnell auf konservative Behandlung an und lösen sich innerhalb weniger Stunden auf. Eine Operation ist bei reiner primärer Gaskolik nur in Ausnahmefällen nötig. Nach einer Gaskolik sollte das Pferd 24 bis 48 Stunden beobachtet werden — Fütterung zunächst nur kleine Mengen gutes Heu, Kraftfutter erst nach Symptomfreiheit und Rücksprache mit dem Tierarzt.
Wie beugt man einer Gaskolik beim Pferd vor?
Gaskolik ist die am besten vermeidbare Kolikform. Mit konsequentem Management lässt sich das Risiko erheblich senken — und das belegt auch die wissenschaftliche Evidenz.
Futterwechsel immer schrittweise
Jede Futterumstellung braucht Zeit. Führen Sie Änderungen über mindestens 7 bis 14 Tage ein — täglich 10 bis 15% der neuen Ration erhöhen. Curtis et al. (2019, PMID: 31295284) belegten: Futterwechsel sind der am stärksten evidenzbelegte vermeidbare Kolik-Risikofaktor.
Heu ad libitum oder häufige kleine Mahlzeiten
Heu zur freien Verfügung hält den Darm gleichmäßig beschäftigt und verhindert die starken Dickdarm-Schwankungen, die Blikslager (2019, PMID: 31084747) als kolikfördernd beschreibt. Wenn ad libitum Heu aus Gewichtsgründen nicht möglich ist: häufigere, kleinere Mahlzeiten sind immer besser als zwei große.
Weideauftrieb langsam einführen
Im Frühjahr mit 15 bis 20 Minuten täglich beginnen und über 3 bis 4 Wochen langsam steigern. Gras nach Frostnächten besonders meiden. Klee eingrenzen oder Maulkorb für empfindliche Pferde erwägen.
Wasser immer frei zugänglich
Frisches, sauberes Wasser immer und überall verfügbar. Im Winter sicherstellen, dass Tränken nicht einfrieren. Bei ungern trinkendem Pferd lauwarmes Wasser anbieten — das erhöht die Trinkbereitschaft und senkt das Kolikrisiko.
Täglich ausreichend Bewegung
Mindestens 2 bis 4 Stunden Bewegung täglich — ob Weidegang, Herdenauslauf oder aktive Arbeit. Yngvesson et al. (2019, PMID: 30813613) zeigten: Pferde in Gruppenhaltung hatten nur 0,38% Kolikinzidenz — gegenüber 2,38% bei Einzelboxhaltung. Bewegung ist das günstigste und wirksamste Kolikpräventionsmittel, das es gibt.
Regelmäßige Entwurmung und Zahnpflege
Parasitenbefall beeinträchtigt die Darmfunktion. Fikri et al. (2024, PMID: 38911082) bestätigten fehlende Entwurmung als signifikanten Risikofaktor. Selektive Entwurmung nach Kotproben-Befund ist der heutige Standard. Und: Zahnprobleme verhindern das ordentliche Zerkleinern von Raufutter — mindestens einmal jährlich Zähne vom Tierarzt kontrollieren lassen.
Weitere Maßnahmen zur Kolik-Vorbeugung finden Sie in unserem Artikel Kolik beim Pferd vorbeugen — Maßnahmen für den Stall-Alltag. Eine ausführliche Darstellung der Sandkolik beim Pferd finden Sie in unserem separaten Artikel.

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Häufige Fragen zur Gaskolik beim Pferd
Fazit: Gaskolik — ernst nehmen, richtig reagieren, konsequent vorbeugen
Die Gaskolik ist unter allen Kolikformen die gutartigste — aber kein Fall für unüberlegtes Abwarten. Futter sofort entziehen, PAT-Werte messen, Pferd ruhig führen und den Verlauf 30 bis 60 Minuten beobachten. Bei Verschlechterung, steigendem Puls, fehlenden Darmgeräuschen oder anhaltendem Schmerz: sofort Tierarzt. Hausmittel wie Fencheltee und sanftes Führen können bei leichten Fällen sinnvoll unterstützen — ersetzen aber nie die tierärztliche Diagnose. Die beste Strategie bleibt Prävention: langsame Futterumstellungen, Heu ad libitum, ausreichend Bewegung und freier Wasserzugang — das sind die vier wirksamsten Schritte, die die Forschung bestätigt.
Wissenschaftliche Quellen
- Gillen A, Archer DC (2023). Epidemiology of Colic: Current Knowledge and Future Directions. Vet Clin Equine. PMID: 37268523. DOI: 10.1016/j.cveq.2023.03.005
- Curtis L, Burford JH, England GCW, Freeman SL (2019). Risk factors for acute abdominal pain (colic) in the adult horse: A scoping review of risk factors, and a systematic review of the effect of management-related changes. PLOS ONE. PMID: 31295284. DOI: 10.1371/journal.pone.0219307
- Blikslager AT (2019). Colic Prevention to Avoid Colic Surgery: A Surgeon’s Perspective. J Equine Vet Sci. PMID: 31084747. DOI: 10.1016/j.jevs.2019.02.023
- Yngvesson J, Rey Torres JC, Lindholm J et al. (2019). Health and Body Conditions of Riding School Horses Housed in Groups or Kept in Conventional Tie-Stall/Box Housing. Animals. PMID: 30813613. DOI: 10.3390/ani9030073
- Fikri F, Rusli R, Febrian R et al. (2024). Colic incidence, risk factors, and therapeutic management in a working horse population in Tuban, Indonesia. Vet World. PMID: 38911082. DOI: 10.14202/vetworld.2024.963-972
- Pollard D, Wylie CE, Newton JR, Verheyen KLP (2020). Factors associated with euthanasia in horses and ponies enrolled in a laminitis cohort study in Great Britain. Prev Vet Med. PMID: 31751854. DOI: 10.1016/j.prevetmed.2019.104833


